Entscheidung über den Direktor*innenposten der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung gefallen

Zur Wahl von Roland Borchers als zukünftigen Direktor der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung (SFVV) erklärt Awet Tesfaiesus, Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

Die Wahl von Roland Borchers als zukünftigen Direktor der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung ist ein notwendiges und wichtiges Signal, dass die Union und der BdV nicht uneingeschränkt agieren können. Sie schafft den notwendigen Raum für eine Debatte, die der historischen und politischen Tragweite der Stiftung gerecht wird.

Die Historie der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung ist extrem vorbelastet. Personalentscheidungen und vor allem das Ringen um die inhaltliche Ausgestaltung der Dauerausstellung haben nicht nur im Inland immer wieder für Debatten gesorgt, sondern auch die Beziehung Deutschlands zu den Nachbarländern Polen und Tschechien verschlechtert. Von Beginn an bestand bei der Stiftung die Gefahr des Geschichtsrevisionismus. Bei der Besetzung des Direktor*innenpostens geht es somit nicht nur um eine bloße Stellenbesetzung, sondern auch um die Frage, wie und an was in der Dauerausstellung erinnert wird.

Dass der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius nicht glücklich mit dem aktuellen Ausstellungskonzept ist, ist dabei kein Geheimnis. Bereits 2024 sendete er in seiner damaligen Funktion als BdV-Präsident einen Brief an die Direktorin der Stiftung, in dem er die Vermengung des Kontextes mit der Kausalität – sprich dem Nationalsozialismus – nicht gutheißt. Und auch Friedrich Merz hat im Wahlkampf die Dauerausstellung der Stiftung thematisiert und versprochen, dass die Union die Neugestaltung der Dauerausstellung voranbringen wird.

Bei der von der Union angestrebten Neugestaltung war zu befürchten, dass der Fokus der Ausstellung nicht weiter auf dem wichtigen Schwerpunkt „Versöhnung“ liegen soll. Die bereits erfolgte Verschiebung der Zuständigkeit für die Kulturpflege der Vertriebenen und deutschen Minderheiten aus dem BKM ins Innenministerium lies vermuten, dass der Schwerpunkt auf der deutschen Vertreibungsgeschichte hätte liegen sollen – im schlimmsten Fall sogar losgelöst vom Kontext der unsagbaren Verbrechen des Nationalsozialismus.

Wenn man bedenkt, dass der Wechsel der Zuständigkeiten auch bedeutet, dass die Vertriebenen und deutschen Minderheiten aus dem Gesamtkonzept der deutschen Erinnerungskultur herausgehoben und damit von einem größeren Gedenkrahmen abgespalten werden, schien die Gefahr eines drohenden Geschichtsrevisionismus greifbar.

Vor diesem Hintergrund ist auch wenig überraschend, dass der Bund der Vertriebenen, der eng mit der „Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutscher Minderheiten“ der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag verzahnt ist, versucht hat, ihren eigenen Mann an der Spitze der Stiftung zu positionieren. Ich begrüße, dass mit der Wahl von Roland Borchers als neuer Direktor der Stiftung, die aktive Einflussnahme des BdV verhindert werden konnte und wünsche ihm für seine zukünftige Arbeit alles Gute.

Es gilt nun ein Rollback bei der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung zu verhindern und die Beziehungen zu unseren Nachbarländern nicht leichtsinnig aufs Spiel zu setzen! Die Stiftung hat es in den letzten Jahren geschafft, sich aus den diversen Verstrickungen zu befreien und fundierte, wissenschaftsbasierte Arbeit zu leisten. Nun gilt es darauf zu achten, dass dieser Faden nicht verloren geht, sondern an der vorhandenen Arbeit angeknüpft wird